Die Geschichte der Hafendeckmühle
Hafendeck (Hofendeck), Einzel, Gd. Birkenbühl

Die erste urkundliche Erwähnung dieser am Dangebach gelegenen Einzel findet sich in der Grenzbeschreibung des Marktes Thierstein aus dem Jahr 1494, in welcher zu lesen ist: "Die Rannung (Grenze) der Stadt Thierstein hebt sich an am Schülerbrunnen, geht darnach uff den Flurbrunnen, so dan auf den Tanges (Bühl) bis an die Eisenstraß, danach dieselb zu Bergl bis an die Hafendeck dn mull und fürder nieder auf den Schülerbrunnen."

Danach war die Einzel ursprünglich eine Mühle, aber wie man aus der Geschichte und dem Namen erfährt, keine Getreidemühle, sondern eine Mühle ganz eigener Art. In Thierstein blühte einst das Gewerbe der Töpferei (Hafnerei) und weit und breit schätzte man seine kusntvollen Erzeugnisse, von denen das Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel einige kostbare Proben aufbewahrt. Aus vielen Orten, in denen dieses Handwerk ebenfalls betrieben wurde, strömten junge Leute nach Thierstein, um sich von geschätzten Meistern in ihre Zünfte einführen zu lassen, so dass der Ort sogar den Ehrennamen "Töpferschule Theirstein" erhielt.

Zur Herstellung der Kunsterzeugnisse benötigten die Meister des Fleckens Thierstein einen teritären, bläulichen Ton, Tegel, auch Degel (ahd. tegal) genannt, den sie von den örtlichen Niederungen des Kornbergs und von Niederlamitz bezogen. Bevor der Ton bearbeitet werden konnte, musste der zu feinem Schlamm vermahlen werden, was in einer der Töpferinnung Theirsteins gehörigen Mühle vor sich ging. Die von dem Wasser des Dangesbaches getriebene Mühle erhielt danach den Namen " Hafnerdegelmühle", den der Volksmund aus Gründen der Bequemlichkeit zu "Hafendeckmühle" formte. Viele Jahrhunderte war die Mühle für die Thiersteiner Innung tätig, die im Jahre 1860 noch aus zehn Meistern bestand. Doch als die auch im Fichtelgebirge aufblühende Porzellanindustrie das irdene Geschirr verdrängte, war das Schicksal der Töpferei Thierstein besiegelt. Das Gewerbe wurde als nicht konkurrenzfähig aufgegeben. Auch die Mühle stellte ihre Tätigkeit ein, wurde verkauft und in eine Getreidemühle umgebaut, die jedoch das Mühlenrad im Jahr 1939 für immer stehen ließ. Seitdem dient das Mühlengebäude nur noch als Wohnhaus. Damit verlor der Name der Einzel auch das Grundwort "Mühle" und wird im amtlichen Verkehr nur noch als Hafendeck geführt.